Was bedeutet Erziehungsfähigkeit

Begriff der Erziehungsfähigkeit

Ein Sachverständigengutachten zur Frage der Erziehungsfähigkeit und der Erziehungseignung von Eltern untersucht auf der Basis aktueller
wissenschaftlicher Erkenntnisse, ob die zu begutachtenden Eltern in der Lage sind, die elterliche Verantwortung für ihre Kinder auszuüben.
Der Begriff der Erziehungsfähigkeit bildet einen Aspekt des Kindeswohls und bezieht sich in Verfahren gemäß § 1666 BOB darauf, ob ein aus Krankheit oder Unvermögen eines Elternteils herrührender Mangel an Erziehungsfähigkeit  vorliegt, der das Kindeswohl gefährdet.

Die Erziehungsfähigkeit ist primär die Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse eines Kindes einzufühlen und diese Bedürfnisse alters- und entwicklungs gemäß zu befriedigen. Aus einer hohen Empathie dem Kind gegenüber entstehen die frühen Bindungsqualitäten des Kindes an jedes Elternteil (sicher, unsicher vermeidend, unsicher ambivalent).

Wichtige Aspekte zum Aufbau einer sicheren Kind – Eltern Bindung:

• Die Fähigkeit, einem Kind auf der einen Seite emotionale Wärme, Zuwendung,
Zuneigung und Geborgenheit zu geben, andererseits seine wachsenden
Ansprüche an erweiterte Handlungsspielräume, an Selbständigkeit und
Selbstbestimmung zu respektieren und zu fördern.

• Konsistentes Erziehungsverhalten und Verhaltensregeln, die für das Kind
nachvollziehbar, kontrollierbar und erreichbar sind.

• Die Förderung seiner Fähigkeiten und individuellen Begabungen.

• Die Förderung seiner sozialen Kompetenz, seiner Einbettung in
unterschiedliche soziale Gruppen.

• Die Verhinderung jeder Form emotionalen Missbrauchs durch abwertendes
Elternverhalten, welches den Selbstwert des Kindes nachhaltig schädigt

Es wird prinzipiell zwischen allgemeiner und spezieller Erziehungsfähigkeit
unterschieden.Unter allgemeiner Erziehungsfähigkeit wird die grundlegende Fähigkeit eines Elternteils verstanden, die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse eines Kindes zu erkennen, ein Kind angemessen zu versorgen, zu betreuen und entsprechend erzieherisch auf die vom Kind signalisierten und dessen altersentsprechenden anstehenden Bedürfnisse einzugehen.

Unter der speziellen Erziehungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit eines Elternteils, in der konkret vorliegenden Lebenssituation die Bedürfnisse des konkreten Kindes realitätsgerecht wahrzunehmen und zu beantworten (Salzgeber,2005). Erziehungsfähigkeit bedeutet, an den Bedürfnissen und Fähigkeiten eines Kindes orientierte Erziehungsziele und Erziehungseinstellungen auf der Grundlage angemessener Erziehungskenntnisse ausbilden und unter Einsatz ausreichender persönlicher Kompetenzen in der Interaktion mit dem Kind ein kindeswohldienliches Erziehungsverhalten umsetzen zu können.

Der Erziehungsfähigkeit wird hier ein Erziehungsbegriff zugrunde gelegt, der
nicht ausschließlich absichtsvolles und/oder positives Handeln einschließt, wie
dies der internationale Erziehungsbegriff von Brezinka (1978) tut, sondern auch
absichtliche oder unabsichtliche Fehlerziehung und Unterlassungen erfassen
muss, Erziehung also, aus der sich Kindeswohlgefährdungen ergeben.

Erziehungsziele

Unter Erziehungszielen sind Erwartungen und Forderungen des Erziehenden an
das Handeln und Erleben eines Kindes zu verstehen, die von diesem realisiert
werden sollen. Sie richten sich einerseits darauf, erwünschte Verhaltensweisen und
Persönlichkeitseigenschaften herauszubilden und aufrechtzuerhalten,
andererseits unerwünschte abzubauen. Als kindorientiert kann man jene
Erziehungsziele bezeichnen, die alters-, entwicklungs- und
geschlechtsspezifische psychische und physische Bedürfnisse und Fähigkeiten
angemessen berücksichtigen.

Erziehungseinstellungen

Einstellungen sind kognitive Konstrukte mit emotionalen und motivationalen
Bezügen, Positionen aus denen heraus, Dinge wahrgenommen werden und die
Orientierung ermöglichen. Auf ihrer Grundlage getroffene Bewertungen (über
Personen, Sachen, Ideen, Handlungen etc.) erzeugen Bereitschaften und
motivieren zu bestimmten Verhalten.Vielfältige Einstellungen können über das Erziehungsverhalten auf ein Kind wirken. Hierzu zählen natürlich an erster Stelle Einstellungen zum Kind, zu dessen Entwicklungsbedingungen, zu Erziehungsfragen, zu Erziehungsmethoden undmitteln, aber auch Einstellungen zur eigenen Person
oder zu allgemeinen Themen, wie zu weltanschaulichen Fragen. (Dettenborn,
Walter, 2002)

Erziehungskenntnisse

Erziehungsziele und -einstellungen basieren zu einem nicht unbeträchtlichen
Teil auf Erziehungswissen. das als wesentlicher Bestandteil der
Erziehungsfähigkeit anzusehen ist. Wissen ist dabei auf verschiedenen Ebenen
erforderlich. Es gliedert sich in allgemeines Erziehungswissen, hierzu gehören
Kenntnisse über Erziehungsinhalte, – methoden und -rnittel, und spezifisches
Wissen über das Kind.

Kompetenzen des Erziehenden

Ein Teilbereich umfassender Erziehungsfähigkeit beinhaltet das Repertoire an
kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten (Kompetenzen), das einem
Erziehenden zur Umsetzung von Erziehungszielen und -einstellungen in
konkretes Erziehungsverhalten verfügbar ist. Zwei der wichtigsten
Kompetenzen stellen die willentliche Stabilität (die Beweglichkeit in der
Erziehung, die je nach Ausprägung Konsistenz bzw. Inkonsistenz
fördert) und die Fähigkeit zu feinfühligem Fürsorgeverhalten.

Erziehungsverhalten

Unter Erziehungsverhalten werden im Rahmen des zugrunde gelegten
funktionellen Erziehungsbegriffs aktive verbale oder nonverbale Handlungen,
aber auch passive Unterlassungen eines Erziehenden verstanden, die bewusst
oder unbewusst, positiv oder negativ auf die Entwicklung eines Kindes wirken.
Als kindeswohldienlich kann Erziehungsverhalten bezeichnet werden, wenn es
die vom konkreten Entwicklungsstand ausgehenden Grundbedürfnisse eines
Kindes befriedigt und dessen Fähigkeiten fördert.

Das Kindeswohl

Der Begriff des Kindeswohls ist ein so genannter unbestimmter Rechtsbegriff aus dem Familienrecht, d.h. er ist nicht streng, nicht abschließend und nicht hinreichend vollständig definiert. Die rechtlichen Kennzeichnungen und Definitionsmerkmale des Kindeswohls sind nach Coester (1983)

• Die Kontinuität und Stabilität des Erziehungsverhältnisses
• Die Bindung des Kindes an seine Eltern und Geschwister
• Die Haltung der Eltern und des Kindes zur Gestaltung der Beziehung nach der elterlichen Trennung(Bindungstoleranz, Kooperationsbereitschaft)
• Der Wille des Kindes als Ausdruck seiner Selbstbestimmung und
Verbundenheit zu den Eltern
• Das Kontinuitätsprinzip

Außerdem beinhaltet das Kindeswohl das Bedürfnis der Minderjährigen nach sozialen Kontakten. Insbesondere gilt es als Kindeswohlgefährdung. wenn der Kontakt zu wichtigen Bezugspersonen (Eltern, Großeltern, Geschwister) durch die Sorgeberechtigten verhindert wird (§ 1685 BGB).

Der Kinderwille als ein Aspekt des Kindeswohl

Der Wille des Kindes kann mit Dettenborn (2001, S. 63), als die altersgemäß
stabile und autonome Ausrichtung des Kindes auf erstrebte, persönlich
bedeutsame Zielzustände verstanden werden. Insofern handelt es sich bei der kindlichen Willensbildung um einen meist lang anhaltenden, oft sogar
dauerhaften Prozess, der vielfältigen Änderungen unterworfen sein kann. Das Erreichen bedeutsamer Zielzustände beinhaltet also nicht nur das Erreichen eines einzelnen Zieles (z.B. Wiedersehen des Vaters und zugleich die Zuwendung der Mutter). Nach Dettenborn (2001) ist der Wille des Kindes umso bedeutungsvoller, je mehr die in der Literatur aufgeführten Merkmale zutreffen.

• Zielorientierung: Die Willensbekundung des Kindes beinhaltet ein deutlich
erkennbares Ziel. Das Ziel ist alters gemäß nachvollziehbar und mit dem Wohl des Kindes vereinbar. Des Weiteren sind Vorstellungen darüber vorhanden, wie etwas erreicht werden kann, und die Bereitschaft, sich entsprechend zu verhalten.

• Intensität: Die Entschiedenheit und Stärke, mit der das bekundete Ziel
angestrebt wird. Man kann dieses Ziel am Beharrungsvermögen bei
Hindernissen und Widerständen erkennen.

• Stabilität: Unter Stabilität versteht man die Beibehaltung von
Willenstendenzen über eine angemessene zeitliche Dauer gegenüber
verschiedenen Personen und unter verschiedenen Umständen. Stabilität ist
jedoch immer relativ, da kindliche Willensbildung als Prozess zu verstehen und zu betrachten ist. Bedeutsam für Stabilität ist, ob eigene Ansprüche als sinnvoll und berechtigt erkannt werden und ob sie durchgesetzt werden wollen.

• Autonomie: Resultiert die Willensbekundung aus eigenem Antrieb und Erleben oder ist diese durch Beeinflussung zustande gekommen. (PAS,) Je deutlicher die vier Kriterien Zielorientierung, Intensität, Stabilität und Autonomie der kindlichen Willensbildung vorliegen, umso mehr gewinnt der Begriff des Kindeswillens bei der Beurteilung des Kindeswohls an Bedeutung.

Die Bindung des Kindes

Im juristischen Sprachgebrauch wird von „Bindungen“ in einem umfassenden Wortsinngesprochen, gemeint sind z: B. auch Beziehungen zu Geschwistern, Spielkameraden, Nachbarn, Bekannte der Familie. Jedoch ist der Bindungsbegriff durch den viel zu weiten Beziehungsbegriff nicht ersetzbar.
Das Konzept der Bindung ist ein wichtiges, unverzichtbares und außerordentlich wertvolles Kriterium für das Kindeswohl. Dettenborn (1996) beschreibt Bindungen als „erfahrensbestimmte, also erlernte, zeitlich relativ stabile, also in Grenzen veränderbare Motivsysteme, die das Erleben von Bedürfnisbefriedigung in emotionale Nähe und Abhängigkeit umsetzen und zum affektiven Kernstück von Beziehungen werden können.“ Unabhängig davon, welchen Stellungswert der Bindungsbegriff gerade in aktuellen Gesetzestexten einnimmt (Dettenborn, 2001), sind Bindungen von Kindern und Jugendlichen für sehr viele familienrechtliche Zusammenhänge zentral bedeutsam. Als Kern intensiver emotionaler Beziehungen sind sie ein Grundthema menschlichen Miteinanders, nämlich das evolutionär entstandene Bedürfnis nach Nähe und ungehindertem Zugang zu einer Schutz gewährenden Bezugsperson. Inzwischen ist gut nachgewiesen, dass die Qualität der Bindungen wesentlich den Aufbau von Selbstgefühl und sozialer Kompetenz mitbestimmt.Die von Kindern subjektiv erlebte Seite von Bindungen wird als emotionale Sicherheit bezeichnet. Es gilt als belegt, dass sichere Bindungen in der Entwicklung des Kindes einen Schutzfaktor darstellen, prosoziale Verhaltensweisen werden gefördert und eine belastbare Stabilität erreicht.

Die elterliche Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft

Die Kooperationsfähigkeit beinhaltet die Frage, ob ein Elternteil aufgrund seiner psychischen Kompetenzen in der Lage ist, im Trennungsgeschehen mit dem anderen Elternteil konstruktiv zu kooperieren. Grundsätzlich steht also bei der Frage der Kooperationsfähigkeit die Frage des Könnens im Vordergrund. Diese Frage ist vorrangig zu klären. Nur bei ausreichender Kooperationsfähigkeit besteht Entscheidungsspielraum für Kooperationsbereitschaft, die Frage des Wollens. Der Kooperationsbereitschaft liegen Bedürfnisse, Interessen, Einstellungen und daraus resultierende Motivationen zugrunde, die je nach Ausformung kooperatives Verhalten fördern oder verhindern. Kooperation meint in diesem Sinne nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den
Parteien, sondern ebenfalls zwischen den Parteien und involvierten Personen oder Institutionen.

Die elterliche Bindungstoleranz

In der Erkenntnis, wie bedeutsam der Erhalt emotionaler Bindungen für ein
Kind ist, findet das Kriterium der Bindungstoleranz seine Berechtigung. Die
Verwendung des Begriffs Toleranz ist insoweit irreführend, als das die Fähigkeit und Bereitschaft, den Kontakt zum anderen Elternteil aktiv zu fördern und zu unterstützen gemeint ist, und nicht nur, ihn zu tolerieren.
Im Kern wird Bindungstoleranz durch die verminderte Fähigkeit und/oder
Bereitschaft herabgesetzt, ein Kind vor Erwachsenenkonflikten zu schützen und Bindungspersonen trotz eigener Konflikte in ihrer Bedeutung für das Kind zu achten. Bindungstoleranz im elterlichen Trennungskonflikt bezieht sich in der Regel auf die emotionale Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil. Durch die einem eskalierenden Streitgeschehen innewohnende Tendenz zur Ausdehnung können aber auch Bindungen des Kindes zu anderen Personen durch Intoleranz gefährdet werden. Bindungstoleranz und Kooperationsbereitschaft bedingen sich einseitig. Die Bindungstoleranz
stellt für die Kooperationsbereitschaft eine notwendige, wenn nicht hinreichende Bedingung dar.

Kann ein Partner in einem Beziehungsgefüge die Wichtigkeit des Anderen für die Entwicklung des gemeinsamen Kindes nicht erkennen, so
wird er gleichsam keine Notwendigkeit in der Kooperation mit diesem Partner sehen. Die Grundfrage, ob ein Elternteil den Kontakt des Kindes zu wichtigen Bezugspersonen positiv fördert oder durch Handlungen erschwert, kann zuallererst über die Haltung des Kindes erhellt werden.

Liegt eine ablehnende Haltung des Kindes gegen den Kontakt zum getrennt lebenden Elternteil vor, so ist zu überprüfen, ob sie auf eigenen negativen Erfahrungen mit dem getrennt lebenden Elternteil beruht. Wird diese Frage verneint, ergibt sich erneuter Klärungsbedarf.

Die ablehnende Haltung kann durch Fehlverhalten des
betreuenden Elternteils hervorgerufen sein, durch eine bewusste
oder unbewusste Beeinflussung des Kindes, eben durch mangelnde
Bindungstoleranz.

Das Kontinuitätsprinzip

Dem Kontinuitätsprinzip liegt die Annahme zugrunde, dass ein Kind ein
grundlegendes Bedürfnis nach gleich bleibenden und stabilen
Lebensverhältnissen besitzt und deren Erhalt dem Kindeswohl am ehesten
entspricht. Dieses Bedürfnis erstreckt sich auf verschiedene Bereiche, der Erhalt der erzieherischen Kontinuität, des sozialen Umfeldes und der räumlichen Kontinuität (Dettenborn u. Walter, 2002).
Die psychologische Begründung findet der Kontinuitätsgrundsatz darin, dass ein Kind schon die Trennung der Eltern zu bewältigen hat. Verändern sich nun auch die oben genannten Bereiche für ein Kind, können sich Stressoren summieren, Bewältigungskompetenzen mindern und Fehlanpassungen des Kindes hervorrufen.

Bedeutsam ist, wie ein Kind Veränderungen selbst begreift (Alter,
Entwicklungsstand, Vulnerabilität), bewertet und bewältigt. Aber auch wenn Veränderungen belastend wirken, ist perspektivisch zu prüfen, ob ein Verbleib des Kindes in seiner gewohnten Umgebung nicht das größere Schadensrisiko darstellt.

Hier ist eine Abwägung mit anderen relevanten Sorgerechtskriterien zu
treffen (Dettenborn u. Walter, 2002).

Induzierter Kinderwille

Die Beeinflussung von Kindern bzw. ihres Willens und ihrer Einstellungen ist eine Begleiterscheinung familienrechtlicher Konflikte. An dieser Stelle
unterscheidet man verschiedene Arten der Beeinflussung. Zunächst ist die
direkte von der indirekten Induzierung zu unterscheiden. Die indirekte
Induzierung meint das Gewähren und Versprechen von Vorteilen, wie
Geschenken, Zuwendung und Freizügigkeiten. Die direkte Induzierung betrifft konkreter das Verändern von Einstellungen und Willensinhalten von Kindern in Bezug auf bestimmte Personen („er lügt“) oder in Bezug auf die Zukunft („er ist nur solange nett zu dir, bis du bei ihm lebst“).
Induzierte Inhalte sind vorwiegend Furcht, Ablehnung und Feindseligkeit.
Bewusst oder unbewusst wird außerdem oft die Furcht erzeugt, dass sich der Induzierende bei erwartungswidrigem Verhalten des Kindes vom Kind
abwendet, d.h. Verlustängste entstehen.

Die direkte Induzierung kann offen und verdeckt erfolgen. Offen und damit für das Kind eher erkennbar sind verbale Verdächtigungen des Konfliktpartners, anklagende und abwertende Bemerkungen über ihn vor dem Kind. Verdecktes Vorgehen nutzt eher nonverbale Kommunikation, vor allem Mimik und Gestik, Liebesentzug bei induktionsfernem Verhalten des Kindes und Zuwendung bei induktionsnahem Verhalten des Kindes.

Effekte der Induzierung:
Relativ unabhängig von alldem polarisieren sich die Effekte in äußerliche
Anpassung einerseits und Verinnerlichung andererseits. Die äußerliche
Anpassung eines Kindes an einen Erwachsenen ist Ergebnis eines Nutzen-
Kalküls. Das Kind möchte Konflikten mit dem Induzierendenaus dem Wege
gehen. Trotz allem muss man davon ausgehen, dass erfolgreiche Induzierung darauf zurückzuführen ist, dass der ursprüngliche Wille tendenziell geringer ausgeprägt war. Die induzierten Inhalte treffen auf eine tendenziell schon bereits vorhandene Bereitschaft.

Fazit:

Im Prozess der Induzierung und Verinnerlichung kann eine neue psychische
Realität entstehen. Diese Realität als bloße Spiegelung fremder Einflüsse
abzuwerten und gegen dahinter stehenden Kinderwillen zu entscheiden, kann das Kind in den Zustand zurückversetzen, aus dem es sich befreit hat, d.h. Hilflosigkeit, Ohnmacht, Selbstwertlabilität (Dettenborn, 2007) Wallenstein und Lewis (2001) führten eine 25-jährige Längsschnittstudie mit hunderten Stunden an Einzelgesprächen mit 130 Kindern, die am Ende der Studie erwachsen waren:
„Besonders intensive Wut gegenüber ihren Vätern, die bis ins Erwachsenenalter anhielt, verspürten diejenigen Kinder aus unserer Stichprobe, die durch Gerichtsauflagen gezwungen wurden, strikte Besuchsregelungen einzuhalten.

Kein einziges Kind, das seinen Vater im Rahmen einer rigiden durchgesetzten Auflage des Gerichts oder einer entsprechenden unflexiblen elterlichen Vereinbarung regelmäßig besucht hat, unterhielt als Erwachsener eine gute Beziehung zu ihm. „

Das „Nein“ des Kindes zum Umgang

Der weitaus größte Teil der Kinder möchte Umgang.

Umso mehr Aufmerksamkeit verdient es grundsätzlich, wenn ein Kind den Umgang ablehnt.Deshalb sind zunächst die Gründe zu prüfen, die zu diesem geäußerten Kindeswillen führen (Gespräche, Anhörung etc.).

Basiert die Ablehnung des Kindes auf seinem originären Willen und ist dieser wiederum nicht selbstgefährdend, sondern bestimmt durch nachvollziehbare Beweggründe, dann liegen Voraussetzungen vor, um den Umgang auszuschließen oder zumindest einzuschränken. Der Kinderwille ist zu akzeptieren, der Schutzbedarf ist gegeben. Je mehr der so bereits entstandene Wille bereits neue psychische Realität und Bestandteil von Identität geworden ist, desto mehr Risiken für das Kindeswohl bestehen, wenn der Kindeswille ignoriert und als Induktion abgetan wird. Das so entstandene „Nein“ des Kindes zum Umgang als beachtlichen
Kindeswillen zu respektieren, bedeutet aber nicht, gänzlich auf behutsame
Angebote zum Abwägen zu verzichten (Dettenborn, 2002).

Grundsätzlich gilt bei der Willensäußerung eines Kindes, den getrennt lebenden Elternteil nicht sehen zu wollen, dass dieser Kindeswille zwar maßgeblich, aber nicht allein entscheidungserheblich sein kann. Ein absolutes Vetorecht gegen den Umgang mit Eltern oder weiteren Personen hat das Kind nicht.
Eine ablehnende Haltung des Kindes ist als Schutzfunktion gegen eine
erhebliche, aus dem Umgang resultierende Belastung zu werten, wobei damit noch nichts über die auslösenden Ursachen ausgesagt wird. Weigert sich ein Kind aus eigenem Antrieb und nicht nur vorübergehend hartnäckig, den anderen Elternteil zu besuchen, so ist nicht allein der Wille des Kindes maßgeblich, sondern vielmehr ist zu erwägen, ob durch eine zeitweise Aussetzung des Umgangs, der Kindeswohlgefährdung abgeholfen werden kann. In diesem Zeitraum könnte versucht werden, mit therapeutischen Maßnahmen den zugrundeliegenden Ängsten des Kindes zu begegnen.

Lehnt ein Kind aus einer inneren Einstellung heraus den Kontakt ab und ist es wegen seiner psychischen Verfassung nicht in der Lage, Konfliktsituationen, die sich aus einem Umgang ergeben könnten, zu bewältigen, würde eine Durchsetzung des Umgangsrechtes seinen Zweck verfehlen und wäre mit dem Persönlichkeitsrecht des Kindes unvereinbar (Salzgeber, 2005; S. 213 ff.)

Prinzipiell besteht für die verbalen Äußerungen kein eindeutiges Kriterium,
zwischen dem echten Wunsch und Willen eines Kindes und einer
Vereinnahmung durch einen Elternteil zu trennen (Kindler/Schwabe-Höllein, 2002 aus Salzgeber, 2005).

Der Sachverständige kann keine psychologisch belegte Folgerung vornehmen, ein durch Suggestion entstandener Wille sei falsch und demzufolge gerade das Gegenteil notwendig (Lehmkuhl, Lehmkuhl 1999 aus Salzgeber, 2005). Dies gilt jedoch nicht bei Kindeswohlgefährdung.

Mögliche Ursachen bei Kontaktabbruch des Kindes im Schulalter

Entwicklungspsychologisch beginnt das Kind mit sechs bis neun Jahren, die
Beurteilung des eigenen Verhaltens durch die Eltern antizipieren zu können. Es kann nun mehr als eine Perspektive gleichzeitig bedenken. Somit beginnt ein Kind in diesem Alter angesichts von divergierenden Standpunkten der Eltern deren Unvereinbarkeit konkret zu erkennen.

Damit ergibt sich die Grundlage von Loyalitätskonflikten, verstärkt durch die Angst, auch den anderen Elternteil zu verlieren.

Die mit dem Streit der Eltern einhergehende Ambivalenz können
Kinder dieses Alters nur schwer ertragen.
Manche Kinder entwickeln selbstschädigende Strategien, um ihre
Loyalitätskonflikte zu bewältigen. Andere schaffen es über kurz oder lang nur noch, die Zuneigung zu einem Elternteil – dem, bei dem sie leben und von dem sie abhängig sind – zuzulassen und die Gefühle zu dem anderen Elternteil abzuspalten.

Begünstigt werden diese Prozesse durch Eltern, die bewusst oder
unbewusst die Kontakte zwischen Kind und getrennt lebenden Elternteil
ablehnen und dies dem Kind offen oder subtil signalisieren.

Dauern diese Konflikte fort, so übernehmen Kinder zwischen neun und 12 Jahren schließlich zur Lösung derartiger, auf die Dauer für sie unerträglicher Unvereinbarkeiten einen Elternstandpunkt zur Gänze und schließen den anderen Elternteil zunehmend aus.
Somit finden sich in dieser Altersstufe vermehrt erwartungsgemäß scheinbar unwandelbare Allianzen mit einem Elternteil gegen den anderen. Sie können noch nicht, wie ältere Heranwachsende, angstfrei eine distanzierte Haltung zu ihren Eltern einnehmen und vereinfachen daher widerstreitende Argumente“schwarz-weiß“ auf einen guten und einen bösen Elternteil. Interventionen, die häufig nicht unmittelbar Wirkung zeigen, haben sich in erster Linie an die Erwachsenen zu richten, die ihr Verhalten gegenüber dem Kind verändern müssen, und nicht an das Kind, das durch eine Intervention, Kontakt wieder aufzunehmen, eher in seinem Loyalitätskonflikt verstärkt wird.

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4 Gedanken zu „Was bedeutet Erziehungsfähigkeit

  1. Es gibt schon mehrfach Urteile das man sich nicht begutachten lassen mus im Familiengeicht.Wir sind in Berlin am AG mir haben Sie die alleinige Sorge entzogen weil ich mich verweigert habe. M.Anwältin hat darauf hingewiesen das es in mein Persönlichkeitsrecht eingreift , die Richterin hat in der Verhandlung gesagt, dass sie mir bei Verweigerung die Sorge entzieht. Was dann auch im.Beschluss stand. Ich möchte nie wieder vor solch Richterinnen.

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  2. Guten Tag .Ich möchte auf diesem Wege gerne Frau Sahr Dankeschön sagen. ❣️Seit 4 Jahren steht Sie an unserer Seite für meine liebsten Tessa und Viktoria.❣️Sie war immer zu erreichen .Gerade in der ersten Zeit .Eigendlich hat Sie mich damals aufgefangen.und uns geholfen , eine Brücke zu bauen.❣️Auch heute noch wenn ich Sie anrufe weiß sie, gleich wer wir sind 😌☺️Sie ist immer sehr nett und freundlich selten solch eine so liebenswerte Person getroffen. Bin Ihr sehr ,sehr Dankbar für Ihre aufbauende emotionale Unterstützung .Und es macht mich unsagbar traurig, warum gerade diese Frau solch ein schlimmes Schiksal erleiden musste.

    Liebe Frau Sah , bitte bleiben Sie so aufrecht und liebenswert.

    Familie Daria Zeszkowski 💐

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